Bis in die heutige Zeit ist das Schwörhaus Symbol des freien Geistes der Ulmer Bürger. Den Namen übernahm das Gebäude vom einst auf einem Turm der Pfalz gebauten „Schwörhäusle“. Wie zuvor im kleinen Schwörhäusle legen die Bürgermeister der Stadt alljährlich vom Balkon des Hauses ihren Bürgern Rechenschaft ab und leisten den Eid auf den großen Schwörbrief von 1397.
Der Schwörbrief gehört zu den ältesten Stadtverfassungen des Reichs und enthielt schon zur damaligen Zeit demokratische Elemente. Die Schwörmontagstradition hat sich bis zum heutigen Tag fortgesetzt. Ebenfalls geblieben ist die alte Schwurformel der Stadt, mit der der Oberbürgermeister jedes Jahr am Ende der Schwurrede seinen Bürgern verspricht:
„Reichen und Armen ein gemeiner Mann zu sein, in den gleichen, gemeinsamen und redlichen Dingen, ohne allen Vorbehalt.“
In dieser Tradition spiegelt sich der störrische, aber auch freie Geist der Ulmer Bürger wider. Schon im 13. Jahrhundert bewahrte sich die Stadt die direkte Unterstellung unter Kaiser und König – aller erbitterten Thronkämpfe zum Trotz, die zu dieser Zeit das Reich erschütterten. Ulm baute die bürgerschaftliche Selbstverwaltung auf und wurde freie Reichstadt.
Die Bürger wollten sich keinem Fürsten oder Großherzog unterstellen und die in Zünften organisierten Handwerker verlangten zudem noch Stimmrecht im Rat der Ulmer Stadtregierung. Sie setzten sich durch und erhielten Mitbestimmungsrechte, die in Form des „kleinen Schwörbriefs“ von 1345 festgehalten wurden. Dieser Einfluss konnte 1397 im „Großen Schwörbrief“ noch weiter ausgebaut werden.
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